Medikamente bei Rheuma - Ein Überblick

Frau hält mehrere Tabletten in der Hand, Symbolbild für Medikamente bei Rheuma

Hinweis: Bei diesem Artikel handelt es sich um rein informativen Inhalt. Die Informationen ersetzen zu keinem Zeitpunkt eine ärztliche Behandlung und Beratung. Entscheidungen bzgl. Medikation und Therapie müssen unbedingt ärztlich abgesprochen werden.

Die medikamentöse Therapie nimmt die zentrale Rolle in der Behandlung von entzündlich-rheumatischen Erkrankungen ein. Ihr Hauptziel besteht darin, Entzündungen bei Erkrankungen wie der Rheumatoiden Arthritis, dem Morbus Bechterew oder der Psoriasis Arthritis zu hemmen, Schmerzen zu reduzieren und strukturelle Veränderungen an Knochen, Sehnen und Gelenken zu verhindern. In der Behandlung von rheumatischen Erkrankungen können grundsätzlich verschiedene Gruppen von Medikamenten zum Einsatz kommen. Diese werden im folgenden Überblick vorgestellt.

Wichtig zu beachten ist, dass die medikamentöse Behandlung je nach Art der Erkrankung variieren kann und keinesfalls ohne ärztliche Anleitung erfolgen sollte. Die folgenden Informationen dienen ausschließlich zur Aufklärung und stellen keine medizinischen Ratschläge dar. Bei Fragen zur eigenen Behandlung ist es unerlässlich, einen Arzt zu konsultieren.

Kortison

Kortison, auch als Kortikosteroide oder Glukokortikoide bekannt, greift in den menschlichen Hormonhaushalt ein. Es besitzt eine deutliche entzündungshemmende Wirkung und trägt somit zur Schmerzlinderung bei. Aufgrund seiner schnellen Wirkung wird diese Gruppe von Wirkstoffen häufig als erste Hilfe bei akuten Entzündungsfällen angesehen. Kortison kann in Form von Tabletten eingenommen, als Wirkstoff in Cremes auf die Haut aufgetragen oder sogar lokal injiziert werden, um bestimmte Bereiche zu behandeln. Zudem kann es in Form von Infusionen zur systemischen Therapie verwendet werden. Jedoch ist zu beachten, dass Kortison nicht für eine langfristige Anwendung geeignet ist und sparsam und möglichst kurzzeitig eingesetzt werden sollte. Die genaue Einnahme und Dosierung sollte stets mit einem Rheumatologen abgestimmt werden.

Nicht Steroidale Antirheumatika (NSAR)

Eine weitere Gruppe von Medikamenten, die vor allem zur kurzfristigen Linderung akuter Schmerzen und Entzündungen verwendet wird, sind die sogenannten nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR). Diese Medikamente haben schmerzlindernde und entzündungshemmende Eigenschaften, gehören jedoch nicht zur Gruppe der Kortisonpräparate und entfalten ihre Wirkung auf eine andere Weise im Körper. Diclofenac und Ibuprofen sind vermutlich die bekanntesten Wirkstoffe innerhalb dieser Medikamentenkategorie. Es gibt jedoch auch neuere Wirkstoffe wie Cox-2-Hemmer, darunter Celecoxib und Etoricoxib, die in der Rheumatologie zunehmend auch für die langfristige Behandlung eingesetzt werden. Dies ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass sie im Vergleich zu "älteren" NSAR wie Ibuprofen, Diclofenac und Naproxen schonender für den Magen sind.

Reine Analgetika

In der Kategorie der Analgetika (von griechisch "algos" für Schmerz) handelt es sich im Gegensatz zu den nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) um reine Schmerzmittel, die ausschließlich dazu dienen, Schmerzsymptome zu lindern, ohne dabei Einfluss auf rheumatische Entzündungsprozesse zu nehmen. Diese Analgetika werden in opioidhaltige und nicht-opioidhaltige Analgetika unterteilt. Opioidhaltige Analgetika (kurz: Opioide) haben eine stärkere schmerzlindernde Wirkung als nicht-opioidhaltige Analgetika, gehen jedoch auch mit erheblichen Nebenwirkungen einher. In der Regel ist die Verschreibung von Opioiden durch einen Schmerzspezialisten erforderlich.

Basismedikamente (DMARDs)

Die Grundlage für die langfristige Behandlung von entzündlich-rheumatischen Erkrankungen bilden sogenannte Basismedikamente, auch bekannt als DMARDs (Disease Modifying Anti-Rheumatic Drugs), was auf Deutsch krankheitsmodifizierende antirheumatische Medikamente bedeutet. Diese Medikamente greifen langfristig in den Verlauf der Krankheit ein und können dazu beitragen, dauerhafte Schäden wie Gelenkzerstörungen oder Organschäden zu verlangsamen, zu reduzieren oder sogar zu verhindern. 

Wichtig zu beachten ist, dass DMARDs in der Regel nicht sofort wirken, sondern eine gewisse Anlaufzeit benötigen. Je nach Wirkstoff kann die Wirkung erst nach Tagen, Wochen oder manchmal sogar Monaten eintreten. Sie werden langfristig verabreicht, um den Verlauf der Krankheit zu kontrollieren. Hierbei ist eine Sache unerlässlich: die kontinuierliche und regelmäßige Einnahme deines Basismedikaments! 

Bei den Basismedikamenten wird grundästzlich zwischen drei Klassen unterschieden: Klassischen Basismedikamenten (csDMARDs), Biologika und Biosimilars (bDMARDs) und zielgerichteten Basismedikamenten (tsCMARDs).

Klassische Basismedikamente (csDMARDs)

Die herkömmlichen (konventionellen) Basismedikamente, auch csDMARDs genannt, werden synthetisch, also chemisch hergestellt. Sie sind die etablierteste Gruppe von Medikamenten in der Basisbehandlung und werden teilweise schon seit vielen Jahrzehnten angewendet. Dadurch zählen sie zu den am besten erforschten Medikamentengruppen in diesem Bereich. Zu den bekanntesten und etabliertesten Medikamenten aus dieser Gruppe zählen Wirkstoffe wie Methotrexat (MTX) oder Sulfasalazin.

Biologika und Biosimilars (bDMARDs)

Zu den effektivsten, aber auch kostenintensivsten Medikamente zur Behandlung rheumatischer Erkrankungen zählen die sogenannten Biologika (Einzahl: Biologikum) und ihre Generika, die als Biosimilars bezeichnet werden. Diese Wirkstoffe werden mithilfe aufwändiger biotechnologischer Verfahren hergestellt, bei denen Proteine, Zellen oder Organismen verwendet werden, um bestimmte Substanzen herzustellen oder umzuwandeln. Bei den für die Rheumabehandlung entwickelten Biologika handelt es sich in der Regel um Proteine, genauer gesagt um bestimmte Antikörper. Diese intervenieren gezielt in die fehlgeleitete Immunreaktion, indem sie spezielle Botenstoffe, sogenannte Zytokine, blockieren. Diese Botenstoffe können Entzündungen im Körper auslösen und verstärken. Durch die Hemmung dieser Botenstoffe kann der Entzündungsprozess unterbrochen und die Krankheit langfristig kontrolliert werden.

Zielgerichtete Basistherapeutika (tsDMARDs)

Eine weitere Gruppe von Basismedikamenten sind die sogenannten targeted synthetic DMARDs (kurz tsDMARDs), zu Deutsch zielgerichtete synthetische DMARDs. Im Gegensatz zu Biologika können diese in Tablettenform verabreicht werden, was für viele Patienten von Vorteil sein kann. Die am häufigsten verwendeten tsDMARDs in der Rheumatologie sind die Januskinasehemmer. Diese kleinen Moleküle greifen sehr gezielt in das Immunsystem ein, indem sie die Übertragung von Entzündungssignalen in Immunzellen hemmen. Diese Signale werden von speziellen Enzymen ausgesendet, den Januskinasen (JAK).

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Quellen

Kathmann, W. Rheumamedikamente - was gibt es, was kommt, und was ist nützlich?. Orthop. Rheuma 26, 10–11 (2023). https://doi.org/10.1007/s15002-023-4351-x

Deutsche Rheuma Liga (o.D.): Medikamente in der Rheumatherapie, https://www.rheuma-liga.de/rheuma/therapie/medikamententherapie, zuletzt abgerufen am 09.10.2023

Zum Autor: Matthias Diener ist seit seinem 19. Lebensjahr von Rheuma betroffen. Als zertifizierter Patient Expert und Fachmann für digitale Gesundheit möchte er Wissen rund um rheumatische Erkrankungen patientenverständlich aufbereiten und Patienten bei dem Zugang zu digitalen Angeboten unterstützen.

Matthias Diener

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