Biologika bei Rheuma - Teuer aber wirksam

Darstellung einer Spritze, Symbolbild für Biologika bei Rheuma

Hinweis: Bei diesem Artikel handelt es sich um rein informativen Inhalt. Die Informationen ersetzen zu keinem Zeitpunkt eine ärztliche Behandlung und Beratung. Entscheidungen bzgl. Medikation und Therapie müssen unbedingt ärztlich abgesprochen werden.

Biologika und Biosimilars bei Rheuma

Zu den wirksamsten, aber auch teuersten Medikamenten bei der Behandlung entzündlich-rheumatischer Erkrankungen zählen die sogenannten Biologika. Um was genau es sich hierbei handelt, was der Unterschied zwischen Biologika und Biosimilars ist, wie Biologika eingesetzt werden und auf welche Nebenwirkungen und sonstigen Hinweise Du achten solltest, erfährst Du in diesem Artikel.

Was sind Biologika?

Biologika (auch bDMARDs, Einzahl Biologikum, engl. Biologicals) werden in einem aufwändigen Verfahren hergestellt- mit Hilfe von Biotechnologie. Dieses verwendet Eiweiße, Zellen oder Organismen, um bestimmte Stoffe herzustellen oder umzuwandeln. Bei den bei Rheuma entwickelten Biologika sind das in der Regel Eiweiße- genauer gesagt: bestimmte Antikörper. Diese greifen gezielt in die fehlgeleitete Reaktion des Immunsystems ein, indem sie bestimmte Botenstoffe blockieren. Durch die Hemmung der Botenstoffe kann der Entzündungsprozess unterbrochen und die Erkrankung langfristig kontrolliert werden. 

Unterscheidung Biologika und Biosimilars

Für einige Biologika sind mittlerweile Nachahmerpräparate erhältlich, die -je nach Wirkstoff- Biosimilars oder Bioidenticals genannt werden. Bei diesen Nachahmerpräparaten handelt es sich um Kopien des Wirkstoffs eines Erstanbieters, dessen Patentschutz abgelaufen ist. Die Nachahmerprodukte werden von anderen Firmen hergestellt und sind oft deutlich preiswerter als das Original, weswegen ihr Einsatz insbesondere von Krankenkassen bevorzugt und gefördert wird. Chemische Arzneimittel können zu 100% kopiert werden, hier spricht man von identischen Präparaten (auch Generika genannt)- bei Biologika spricht man allerdings von Biosimilars. Hierbei handelt es sich um nahezu identische, wirkstoffgleiche Nachfolgeprodukte eines Originalpräparats, die in der Regel dieselbe medizinische Wirkung wie ein Originalpräparat erbringen.

Anwendungsbereich von Biologika und Biosimilars

Biologika kommen bei verschiedenen Autoimmunerkrankungen wie Morbus Chron, Psoriasis oder Colitis Ulcerosa zum Einsatz und stellen darüber hinaus eine der wirksamsten Varianten der Basistherapie bei Rheuma dar. Zum Einsatz kommen sie hier unter anderem bei der Rheumatoiden Arthritis, dem Morbus Bechterew oder der Psoriasis Arthritis. Hierbei können Biologika, die in der Regel als Spritze oder Infusion verabreicht werden, sowohl einzeln, als auch in Kombination mit anderen Medikamenten und Basistherapeutika verschrieben werden. Wenn etwas bei Rheumatoider Arthritis eine Behandlung mit konventionellen synthetischen Basistherapeutika (csDMARD) wie MTX innerhalb von 3 Monaten nicht ausreichend wirkt, können Patienten mit einem schwerem Krankheitsverlauf auf ein Biologikum eingestellt werden. Biologika werden dann meist zusammen mit Methotrexat oder einem anderen csDMARD verordnet.

Biologika können auch als Monotherapie (ohne andere Zusatzmedikationen)  eingesetzt werden, beispielweise bei Unverträglichkeit von Methotrexat oder anderen csDMARDs. Bei Formen der Spondyloarthritis wie dem Morbus Bechterew ist eine Monotherapie mit Biologika üblich, die durch den Einsatz von NSAR Medikamenten wie Ibuprofen oder anderen Schmerzmitteln ergänzt werden kann. Im Vergleich zu den konventionellen synthetischen Basismedikamenten tritt die Wirkung der Biologika schneller ein: Bereits nach 2 bis 4 Wochen kann eine Verringerung der Krankheitsaktivität erkennbar sein.

Neben- und Wechselwirkungen von Biologika und Biosimilars

Ähnlich wie bei klassischen Basistherapeutika (csDMARDs), kann die Einnahme von Biologika die Infektanfälligkeit erhöhen und mit Blutbildveränderungen und dem Anstieg von Nieren und Leberwerten verbunden sein. Auch kann dies zu einer eingeschränkten Wundheilung führen und beispielsweise nach Operationen problematisch werden. Entsprechend sind auch hier regelmäßige Kontrollen des Blutbild, der Nieren- und Leberwerte sowie des Urins essentiell.

Welche Biologika Wirkstoffe gibt es?

Hier eine Liste verbreiteter Biologika bei Rheuma

TNF-Inhibitoren: Adalimumab, Certolizumab Pegol, Etanercept, Golimumab, Infliximab 

Interleukin-Inhibitoren: Anakinra, Sarilumab, Tocilizumab

Lymphozyten-Inhibitoren: Abatacept, Rituximab  

Wichtige Hinweise

  • Die bDMARDs sind jeweils in der Regel sehr spezifisch wirksam und daher in der Regel nicht universell für alle Rheumaformen geeignet. Es gibt beispielsweise einige Biologika, die für die Behandlung der rheumatoiden Arthritis zur Verfügung stehen, für den Morbus Bechterew jedoch nicht geeignet sind. 
  • bDMARDs werden als Spritze/Pen in Selbstanwendung unter die Haut (subkutan) gespritzt oder durch eine Infusion in die Armvene (intravenös) durch den Arzt verabreicht.
  • Meist müssen Biologika gekühlt werden, da die Wirkstoffe (Eiweiße) bei steigenden Temperaturen unbrauchbar werden. Daher ist meist eine Lagerung im Kühlschrank empfohlen (siehe jeweilige Packungsbeilage!).

Quellen

Wagner, U. Biologika in der Rheumatologie. Internist 60, 1036–1042 (2019). https://doi.org/10.1007/s00108-019-00676-0

Zum Autor: Matthias Diener ist seit seinem 19. Lebensjahr von Rheuma betroffen. Als zertifizierter Patient Expert und Fachmann für digitale Gesundheit möchte er Wissen rund um rheumatische Erkrankungen patientenverständlich aufbereiten und Patienten bei dem Zugang zu digitalen Angeboten unterstützen.

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